Der erste Satz
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
Beginne mit einer Frage, einer Behauptung oder einem Gegenstand, die eine Lücke öffnen, und zeig die Agenda erst, wenn deine Lerngäste wissen wollen, wie es weitergeht.
- Dauer
- 2 bis 5 Minuten
- Wann
- Der erste Satz vor der ganzen Gruppe, nach der Begrüßung an der Tür
- Material
- Je nach Eröffnung nichts oder ein Gegenstand
- Gruppe
- Jede Größe
Aufwand
Fünfzehn Minuten am Vortag, um den einen Satz zu finden und laut zu proben. Für die dritte Eröffnung brauchst du einen Gegenstand, der in eine Tasche passt.
Die Szene, die du kennst
Neun Uhr, alle sitzen. Du sagst guten Morgen, stellst dich vor und zeigst die Agenda. Neun Punkte, zwei Pausen, Ende um halb fünf. Die Gruppe nickt. Jemand schaut auf die Uhr. Deine Lerngäste wissen jetzt, was kommt. Sie haben nur keinen Grund mehr, darauf zu warten.
Sie bringen Routine, Pflichtgefühl und Ungeduld mit. Die Agenda bestätigt alle drei. Neugier entsteht nicht, wenn alles geklärt ist. Sie entsteht, wenn etwas offen ist, das man schließen will.
Ablauf. Drei Eröffnungen
1. Eine Frage, die eine Lücke öffnet
Die Frage zielt auf etwas, das deine Lerngäste halb wissen. Ganz unbekannt ist zu weit weg, ganz bekannt ist langweilig. Für ein Seminar zu Feedback: „Woran merken Sie, dass jemand Ihr Feedback nicht angenommen hat, obwohl er genickt hat?“ Für ein Seminar zu Führung: „Wann haben Sie zuletzt eine Aufgabe wieder an sich gezogen, die Sie gerade abgegeben hatten?“ Du stellst die Frage, wartest und lässt sie stehen.
2. Eine Behauptung, die irritiert
Ein Satz, der dem widerspricht, was alle für selbstverständlich halten. Für ein Seminar zu Konflikten: „Ein Team ohne Konflikte hat ein Problem.“ Für ein Seminar zu Feedback: „Lob ist das schwierigste Feedback.“ Die Behauptung muss am Ende des Tages eingelöst sein. Du begründest sie nicht sofort. Du sagst: „Ob das stimmt, prüfen wir heute.“
3. Ein Gegenstand oder eine kurze Szene als Metapher
Du legst einen Gegenstand auf den Tisch, der für das Thema steht, und sagst erst einmal nichts. Für ein Seminar zur Übergabe von Wissen: ein Schlüsselbund mit elf Schlüsseln. „Bei vier weiß ich, wofür sie sind. Die anderen sieben trage ich trotzdem jeden Tag mit mir herum.“ Oder eine Szene von dreißig Sekunden: Du nimmst das Telefon ans Ohr, sagst „Ja. Nein. Das schaffen wir bis Freitag“ und legst auf. Dann fragst du: „Was habe ich gerade versprochen?“ Das passt in ein Seminar zu Zeit oder zu Absprachen.

Herzlich willkommen, ich stelle Ihnen kurz die Agenda vor.
Woran merken Sie, dass jemand Nein meint, obwohl er Ja sagt?
Bevor wir anfangen, ein paar organisatorische Hinweise.
Ein Team ohne Konflikte hat ein Problem. Ob das stimmt, prüfen wir heute.
Mein Name ist …, ich mache das seit zwanzig Jahren.
Ein Schlüsselbund auf dem Tisch, zehn Sekunden Stille, dann: „Bei vier weiß ich, wofür sie sind.“
Und die Agenda?
Sie kommt, wenn die Frage im Raum steht. Dann zeigst du auf das Blatt an der Wand: „Hier sehen Sie, wie wir heute zu einer Antwort kommen.“ Das Blatt hängt den ganzen Tag. Orientierung brauchen deine Lerngäste, nur nicht als ersten Satz. Wie du den Ablauf sichtbar machst, steht im Fachbeitrag „Der Wirkraum. Warum der Raum mitentscheidet, ob jemand mitmacht.“ Was an der Tür passiert, bevor der erste Satz fällt, zeigt der Praxistipp „Die Türschwelle“.
Der Fehler, den fast alle machen
Du stellst die Frage und beantwortest sie selbst, nach drei Sekunden. Damit ist die Lücke zu, bevor sie gewirkt hat. Halte die Stille aus, zähl innerlich bis zehn. Die zweite Falle: Der Einstieg wird zur Show. Ein Gegenstand ohne Bezug zum Thema ist ein Gag. Nach dem Lachen fragt jemand, was das sollte, und die Neugier ist weg.
Wogegen es hilft
Langeweile, Gleichgültigkeit, Überreizung. Der Tipp gehört zu Schritt 2, Öffnen, und löst Neugier aus. Eine offene Frage hält gegen Langeweile und Gleichgültigkeit, der Bezug zum Thema hält gegen Überreizung.
Fachbeiträge und Methoden zu den Werkzeugen. Alle zwei Wochen, kein Verkauf.
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
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