Die Türschwelle
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
Sei zwanzig Minuten vor Beginn fertig, stell dich an die Tür und begrüße jeden Lerngast persönlich, mit Namen und mit einer kleinen Aufgabe für die ersten Minuten.
- Dauer
- 20 Minuten vor Beginn
- Wann
- Vor dem ersten Block, an jedem Seminartag
- Material
- Namensliste, Karten mit einer Frage, Stifte
- Gruppe
- Bis etwa 30 Personen
Aufwand
Zehn Minuten am Vortag: Namensliste lesen und eine Frage für die Karten wählen. Der Raum selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon aufgebaut.
Die Szene, die du kennst
Der erste Lerngast kommt zehn Minuten zu früh. Du kniest unter dem Tisch und suchst das Kabel für den Beamer. Du rufst „Guten Morgen, setzen Sie sich ruhig schon“ und suchst weiter. Er setzt sich in die letzte Reihe, holt das Handy heraus und wartet. Die nächsten machen es genauso. Um neun sitzen alle hinten, schauen auf ihre Telefone, und du beginnst vor einer Gruppe, die schon zwanzig Minuten lang gelernt hat, dass hier niemand auf sie wartet.
Warum die Tür so viel entscheidet
Deine Lerngäste bringen Skepsis, Anspannung und Fremdheit mit. An der Tür beantworten sie sich drei Fragen, ohne sie auszusprechen: Werde ich gesehen? Finde ich mich zurecht? Bin ich hier willkommen? Das sind die drei Fragen des WWW-Prinzips: Wahrnehmen, Wohlfühlen, Wertschätzen. Wir nutzen sie als Prüfliste für jeden Empfang.
Wer an der Tür eine Antwort bekommt, muss seine Aufmerksamkeit nicht mehr für Selbstschutz aufwenden. Er hat sie frei für das, was du vorhast.
Ablauf. Die letzten 20 Minuten
Wie du den Raum selbst aufbaust, steht in den sechs Handgriffen im Fachbeitrag „Der Wirkraum. Warum der Raum mitentscheidet, ob jemand mitmacht.“ Dieser Tipp beginnt, wenn der Aufbau fertig ist.
- 20 Minuten vorher. Einmal durch die Tür gehen. Geh hinaus und komm herein wie ein Lerngast. Was siehst du zuerst? Wohin mit der Jacke, wohin mit der Tasche? Wo steht der Kaffee? Was du hier suchen musst, sucht gleich jeder.
- 15 Minuten vorher. Namen lesen. Lies die Namensliste einmal halblaut. Bei Namen, die du nicht sicher aussprichst, fragst du an der Tür nach, statt zu raten.
- 10 Minuten vorher. Deinen Platz räumen. Laptop läuft, Kabel liegen, Unterlagen sind sortiert. Danach fasst du nichts mehr an. Wer ab jetzt hereinkommt, trifft auf jemanden, der für ihn Zeit hat.
- 5 Minuten vorher. An die Tür. Tür offen, du stehst daneben, nicht dahinter. Nicht am Pult, nicht am Fenster, nicht am Telefon.
Der Moment an der Tür
Jede Begrüßung hat drei Teile und dauert zwanzig Sekunden.
- Wahrnehmen. Blick und Name. „Guten Morgen, ich bin Michael Kobbeloer. Wie ist Ihr Name?“ Dann wiederholst du ihn: „Frau Petersen, schön, dass Sie da sind.“
- Wohlfühlen. Orientierung in einem Satz. „Jacken an den Haken links, Kaffee steht hinten am Fenster, wir beginnen um neun.“ Wo die Toilette ist, sagst du gleich mit.
- Wertschätzen. Eine Aufgabe für die ersten Minuten. Du gibst jedem eine Karte in die Hand: „Hier steht eine Frage. Schreiben Sie Ihre Antwort drauf und hängen Sie sie an die Wand dort drüben, wenn Sie so weit sind.“
Wer sehr früh kommt, bekommt eine zweite Aufgabe: „Wollen Sie mir helfen, die Stifte auf den Tischen zu verteilen?“ Wer mit anfasst, ist kein Gast mehr, der wartet. Er gehört schon dazu.
Wer zu spät kommt, bekommt dieselbe Begrüßung, leiser und ohne Kommentar zur Uhrzeit.

Setzen Sie sich ruhig schon.
Guten Morgen, ich bin Michael Kobbeloer. Wie ist Ihr Name?
Wir fangen gleich an.
Kaffee steht hinten, wir beginnen um neun.
Ist noch jemand unterwegs?
Hier ist eine Karte für Sie. Die Antwort kommt an die Wand.
Der Fehler, den fast alle machen
Die Begrüßung kommt erst um neun, von vorne, für alle zugleich. „Herzlich willkommen, schön, dass Sie alle da sind.“ Bis dahin sind die ersten zwanzig Minuten vorbei, und jeder hat sich selbst einen Platz und eine Rolle gesucht. Die Begrüßung vor der Gruppe ersetzt nicht die Begrüßung an der Tür. Die eine sagt: Wir sind eine Gruppe. Die andere sagt: Du bist gemeint.
Wogegen es hilft
Angst, Misstrauen, Widerwille. Der Tipp gehört zu Schritt 1, Vorbereiten, und löst Sicherheit aus. Wer an der Tür seinen Namen hört, den Weg kennt und etwas zu tun hat, muss nicht erst prüfen, ob er hier sicher ist.
Fachbeiträge und Methoden zu den Werkzeugen. Alle zwei Wochen, kein Verkauf.
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
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