Scanner-Arbeit bei vierzig Leuten im Hörsaal
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
Arbeite in Nachbarschaftspaaren mit einem Scanner für alle, sammle Wörter per Handzeichen, Zuruf oder Zettel und hol dir eine Stichprobe statt einer Runde.
- Dauer
- 15 Minuten
- Wann
- Beim Ankommen oder in der Auswertung nach dem Lernprojekt
- Material
- Ein Emotionscanner® groß an der Wand oder projiziert, Zettel und Stifte, vier Blätter mit je einem Wort
- Gruppe
- Ab etwa 25 Lerngästen, auch im Hörsaal
Wenn die Runde zur Prüfung wird
Du kennst die Situation. Du hast eine Methode, die mit fünfzehn Lerngästen wunderbar läuft. Jeder sucht ein Wort, reihum sagt jeder seins. Jetzt sitzen vierzig Menschen in ansteigenden Reihen vor dir. Du startest die Runde. Nach zwölf Wörtern schauen die ersten auf die Uhr. In der letzten Reihe überlegt jemand seit fünf Minuten, wie er seinen Satz formuliert, damit er vor allen gut dasteht. Als er dran ist, sagt er „gut“.
Die Methode ist nicht falsch. Sie ist für eine andere Gruppengröße gebaut. In der großen Gruppe wird jede Äußerung zu einem Auftritt vor vierzig Augenpaaren. Was in der kleinen Runde Austausch ist, fühlt sich hier wie eine Prüfung an.
Was sich in der großen Gruppe ändert
Psychologische Sicherheit ist in der großen Gruppe schwerer herzustellen. Du kennst nicht jeden Namen, die Lerngäste kennen sich untereinander kaum, und jedes Wort hat ein großes Publikum. Deshalb verschiebst du die Arbeit dorthin, wo sie sicher ist: zum Nachbarn. Das Plenum bekommt nur, was jemand freiwillig hineingibt.
Kleingruppen mit Tischwechsel
Nachbarschaftspaare: Wer nebeneinandersitzt, arbeitet zusammen
Jeder bekommt einen eigenen Scanner
Ein Scanner für alle, groß an der Wand oder projiziert
Reihum sagt jeder sein Wort
Eine Stichprobe von fünf freiwilligen Stimmen
Du rufst Lerngäste mit Namen auf
Wer etwas sagen will, meldet sich. Wer nicht, schreibt einen Zettel
Aufwand
Rund 15 Minuten vor Beginn: Scanner aufhängen oder die Projektion testen, Zettel auf die Reihen verteilen, vier Stehplätze im Raum festlegen und mit je einem Blatt markieren.
So machst du es
Sechs Schritte, 15 Minuten. Das Beispiel zeigt die Auswertung nach einem Lernprojekt.
- Den Scanner für alle sichtbar machen. Prüf von der letzten Reihe aus, ob die Wörter lesbar sind.
- Die Frage stellen und eine Minute Stille geben. „Welches Wort passt zu dem Moment, in dem ihr festgesteckt habt?“ Jeder sucht allein.
- Nachbarschaftspaare bilden. „Dreh dich zu deinem Nachbarn und erzähl ihm, warum du dieses Wort gewählt hast. Zwei Minuten.“ Wer allein sitzt, rückt zu einem Paar und bildet einen Dreier.
- Wörter sammeln, ohne dass jemand allein sprechen muss. Du nennst ein Wort, das du erwartest, und fragst nach Handzeichen. Danach rufen alle, die wollen, ihr Wort in den Raum. Wer nichts sagen will, schreibt sein Wort auf einen Zettel und legt ihn beim Rausgehen ab.
- Feste Stehplätze nutzen. Vier Stellen im Raum hast du vorher mit je einem Wort markiert, vorne links, vorne rechts und an den beiden Gängen. „Wer sich in einem dieser Wörter wiederfindet, stellt sich kurz dazu.“ Wer sitzen bleibt, schaut zu. Beides ist in Ordnung.
- Eine Stichprobe statt einer Runde. „Ich möchte von fünf Paaren hören, was ihr besprochen habt. Wer mag?“ Danach ein Satz von dir zum Gesamtbild, und weiter geht es.
Wie du die Grundformen der Scanner-Arbeit anlegst, zeigen „5 Methoden für den Emotionscanner®“, „Ankommen mit Gefühl“ und „Auswerten nach dem Lernprojekt“. Jede dieser Methoden lässt sich mit den sechs Schritten oben auf eine große Gruppe übertragen.

Der Fehler, den fast alle machen
Es wird still im Saal, und du willst die Stille brechen. Also schaust du in die dritte Reihe: „Was haben Sie denn gewählt?“ Die Person wird rot, sagt ein Wort, das nichts verrät, und ab diesem Moment schauen alle anderen auf ihre Unterlagen.
Wer in der großen Gruppe einzeln aufgerufen wird, spricht vor allen. Er sagt nicht, was er fühlt, sondern was ungefährlich klingt. Und alle anderen lernen in diesem Moment: Hier kann es jeden treffen. Ein einziger Aufruf kostet dich die Offenheit der nächsten Stunde.
Deshalb gilt: Niemand wird einzeln aufgerufen. Stille hältst du aus. Wenn sie zu lang wird, gehst du zurück in die Paare.
Wogegen es hilft
Scham, Abwehr, Verstummen. Das zerstört in der Auswertung das Lernen, und in der großen Gruppe ist der Weg dorthin kurz. Paare, Handzeichen und Zettel geben jedem einen Weg, sich zu beteiligen, ohne vor allen zu stehen.
Fachbeiträge und Methoden zu den Werkzeugen. Alle zwei Wochen, kein Verkauf.
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
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