Das Stoffchart richtig einsetzen
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
Häng das Stoffchart zu Beginn auf, lass es abgedeckt, bis deine Lerngäste ihre Fragen haben, und baue die Landkarte dann gemeinsam mit ihnen, auf Karten statt auf dem Chart.
- Dauer
- Ein Seminartag, der Kernmoment dauert 15 bis 30 Minuten
- Wann
- Aufhängen vor Beginn, zeigen in Schritt 5
- Material
- flipstark® Stoffchart, ein Tuch zum Abdecken, Karten und Stifte
- Gruppe
- Jede Größe
Die Antwort hing schon an der Wand
Du kennst den Moment. Du hast dein Thema sauber aufbereitet, die Struktur hängt seit dem Morgen gut sichtbar im Raum. Nach dem Lernprojekt willst du in die Theorie einsteigen. Ein Lerngast schaut auf das Chart und sagt: „Das hatten wir doch heute früh schon.“ Die anderen nicken. Die Spannung ist weg, bevor du den ersten Begriff erklärt hast.
Die Struktur war richtig. Sie kam nur zu früh. Deine Lerngäste haben sie am Morgen gelesen, als sie noch keine Frage dazu hatten. Jetzt erkennen sie das Bild wieder und halten es für bekannt. Verstanden haben sie es damit noch nicht.
Warum der Zeitpunkt zählt
Das flipstark® Stoffchart macht Inhalte im Raum sichtbar und greifbar. Deine Lerngäste fassen sie an, verschieben sie und ergänzen sie. Im Modell gehört das Chart zu drei Schritten, und in jedem hat es eine andere Aufgabe.
In Schritt 1, Vorbereiten, gibt es Orientierung. Wer den Raum betritt, sieht: Hier gibt es einen Plan, und die Theorie hat heute ihren festen Platz. Das nimmt Fremdheit heraus, auch wenn noch niemand weiß, was unter dem Tuch hängt.
In Schritt 3, Erleben, bleibt es abgedeckt. Das Lernprojekt soll Fragen erzeugen. Eine fertige Struktur an der Wand nimmt die Antwort vorweg. Wer die Lösung schon sieht, sucht nicht mehr.
In Schritt 5, Verstehen, kommt sein Moment. Jetzt haben deine Lerngäste echte Fragen aus dem Lernprojekt. Die Struktur trifft auf etwas, das sie gerade erlebt haben. Hier löst du Klarheit aus.
Das Chart hängt ab dem Morgen offen im Raum.
Das Chart hängt ab dem Morgen im Raum und bleibt abgedeckt, bis die Fragen da sind.
Du erklärst die Struktur Element für Element.
Du zeigst die Struktur und fragst: „Wo war das heute bei euch?“
Du schreibst Beiträge der Lerngäste direkt auf das Chart.
Beiträge kommen auf Karten, die deine Lerngäste selbst an die passende Stelle bringen und verschieben.
Aufwand
Rund zehn Minuten vor Beginn: Chart aufhängen, Struktur prüfen, abdecken, Karten und Stifte bereitlegen. Die Struktur für dein Thema baust du einmal und nutzt sie in jedem Durchgang wieder.
So machst du es
Sechs Schritte über den Tag.
- Vor Beginn aufhängen und abdecken. Gut sichtbar, an einer Stelle, an der später alle davor stehen können.
- Beim Ankommen einen Satz dazu sagen. „Unter dem Tuch hängt unsere Landkarte für heute. Ihr seht sie, sobald ihr wisst, wonach ihr sucht.“ Keine Erklärung, nur Orientierung.
- Durch Lernprojekt und Auswertung abgedeckt lassen. Wer fragt, was darunter ist, bekommt die Antwort: „Gleich. Erst brauchen wir eure Fragen.“
- Fragen sammeln. Nach der Auswertung schreibt jede Kleingruppe zwei Fragen auf Karten: Was wollt ihr jetzt wissen?
- Tuch abnehmen und schweigen. Lass die Struktur eine halbe Minute wirken. Dann fragst du: „Wo seht ihr hier euer Lernprojekt?“
- Gemeinsam ergänzen. Deine Lerngäste bringen ihre Fragekarten an die Stelle, an die sie gehören. Du erklärst an diesen Stellen entlang. Wer ein Element an einen anderen Platz schieben will, darf das, solange er sagt, warum. Am Ende machst du ein Foto, die Karten gehen mit den Lerngästen, die Struktur bleibt sauber.

Warum du nicht auf das Chart schreibst
Mitten im Gespräch ruft ein Lerngast einen guten Gedanken in den Raum. Der Reflex: Stift raus, direkt aufs Chart. Das fühlt sich wertschätzend an und macht zwei Dinge kaputt.
Erstens ist das Chart die feste Struktur deines Themas. Was du darauf schreibst, wird Teil dieser Struktur. Beim nächsten Seminar hängt der Gedanke einer anderen Gruppe in deiner Landkarte, und deine neuen Lerngäste lesen ihn als Lehrsatz.
Zweitens lässt sich ein geschriebenes Wort nicht mehr verschieben. Genau das Verschieben ist die Arbeit, aus der Verstehen entsteht. Wer eine Karte von einer Stelle an eine andere trägt, entscheidet selbst, wo ein Gedanke hingehört. Dein Stift nimmt ihm diese Entscheidung ab.
Die Regel lautet deshalb: Das Chart gehört dir, die Karten gehören deinen Lerngästen.
Wogegen es hilft
Überflutung, Enttäuschung, Abschalten. Eine Struktur, die zu früh kommt, wirkt bekannt und führt zum Abschalten. Eine Struktur ohne Bezug zum Erlebten führt zur Überflutung.
Fachbeiträge und Methoden zu den Werkzeugen. Alle zwei Wochen, kein Verkauf.
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
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