Aufträge so formulieren, dass niemand nachfragen muss
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
Sag in jedem Auftrag, was zu tun ist, mit wem, wie lange und was am Ende vorliegt, schreib ihn sichtbar auf und sag ihn nur einmal.
- Dauer
- 2 Minuten pro Auftrag
- Wann
- Vor jedem Lernprojekt und jeder Gruppenarbeit
- Material
- Flipchart oder eine Karte pro Gruppe
- Gruppe
- Jede Größe
Aufwand
Fünf Minuten Vorbereitung pro Auftrag. Du schreibst ihn vor dem Seminar auf ein Chart oder auf Karten und prüfst ihn an den vier Teilen.
Du kennst den Moment
„Setzt euch jetzt mal mit dem Thema Feedback auseinander. Legt los.“ Die Gruppen ziehen in ihre Ecken. Die erste diskutiert, ob sie etwas aufschreiben soll. Die zweite fragt, bis wann. Die dritte fängt mit etwas ganz anderem an. Nach zehn Minuten gehst du herum und erklärst den Auftrag dreimal neu, jedes Mal ein wenig anders.
Das liegt nicht an der Gruppe. Der Auftrag hatte Lücken, und jede Gruppe hat sie auf ihre Art gefüllt.
Warum der Auftrag klar sein muss
Im Lernprojekt sollen deine Lerngäste sich anstrengen. Sie sollen an der Aufgabe hängen bleiben, ausprobieren, neu ansetzen. Das ist Schritt 3 im Modell, und das Gefühl, das du hier auslöst, heißt Anstrengung.
Anstrengung braucht ein Ziel. Wer nicht weiß, was am Ende vorliegen soll, strengt sich nicht an der Aufgabe an. Er rätselt, was du gemeint hast. Das fühlt sich nicht nach Lernen an, sondern nach verlorener Zeit.
Deshalb gilt eine Unterscheidung:
Die Aufgabe darf schwer sein. Der Auftrag muss klar sein.
Steckenbleiben an der Aufgabe ist gewollt. Steckenbleiben am Auftrag ist ein Fehler in der Vorbereitung.
Die vier Teile
- Was ist zu tun? Ein Verb, das man sehen kann. Sammeln, bauen, sortieren, entscheiden. Nicht „sich auseinandersetzen“, nicht „sich Gedanken machen“.
- Mit wem? Allein, zu zweit, zu viert. Und wer mit wem, wenn es darauf ankommt.
- Wie lange? Eine Uhrzeit schlägt eine Dauer. „Bis 10:40 Uhr“ verstehen alle gleich. „Etwa zwanzig Minuten“ beginnt für jeden zu einem anderen Zeitpunkt.
- Was liegt am Ende vor? Die Ergebnisform. Drei Punkte auf einem Chart, ein Satz auf einer Karte, ein gebautes Modell, eine Entscheidung, die ihr in einer Minute vorstellt.
Der vierte Teil ist der wichtigste. Er sagt der Gruppe, wann sie fertig ist.
Setzt euch mal mit dem Thema Feedback auseinander.
Sammelt zu viert bis 10:40 Uhr drei Sätze, mit denen ihr Kritik einleitet. Am Ende hängen sie auf einem Chart.
Überlegt in der Gruppe, was gute Führung ausmacht.
Einigt euch zu dritt in fünfzehn Minuten auf die eine Eigenschaft guter Führung, auf die ihr nicht verzichten wollt. Am Ende steht ein Wort auf einer Karte.
Tauscht euch zu zweit über eure Erfahrungen aus.
Erzählt euch zu zweit je eine Situation, in der ein Gespräch gekippt ist. Fünf Minuten. Am Ende hat jeder notiert, an welcher Stelle es kippte.
Probiert die Aufgabe mal aus, wir schauen dann.
Baut zu sechst bis 11:15 Uhr einen Turm, der ohne Hilfe steht. Am Ende messen wir die Höhe.
Ablauf
So machst du es. Sechs Schritte, zwei Minuten im Raum.
- Schreib den Auftrag vorher auf, auf ein Chart oder auf eine Karte pro Gruppe. Prüf ihn an den vier Teilen. Fehlt einer, ergänzt du ihn jetzt und nicht im Seminar.
- Häng den Auftrag auf, bevor du ihn aussprichst. Alle lesen mit.
- Sag ihn einmal, langsam, mit den Worten, die auf dem Chart stehen. Kein zweiter Anlauf mit anderen Worten. Zwei Fassungen ergeben zwei Aufträge.
- Frag: „Was ist am Auftrag noch unklar?“ Nicht: „Alles klar?“ Darauf nickt jeder.
- Nenn die Rückfrage-Regel: „Fragen zum Auftrag beantworte ich. Fragen zur Lösung nicht. Die gehören euch.“
- Ab jetzt zeigst du, statt zu reden. Wer während der Arbeit fragt, was zu tun ist, bekommt keinen neuen Satz, sondern einen Fingerzeig aufs Chart.

Der Fehler, den fast alle machen
Du beantwortest Fragen zur Lösung, weil sie wie Fragen zum Auftrag klingen. „Dürfen wir das Material auch zerschneiden?“ „Zählt es, wenn einer von uns die Ansage macht?“ Wer hier hilft, nimmt der Gruppe genau die Anstrengung ab, um die es geht.
Deine Antwort lautet dann: „Was steht im Auftrag?“ Steht es dort nicht, entscheidet die Gruppe selbst. Das kostet dich ein Lächeln und hält die Aufgabe bei denen, die sie lösen sollen.
Der zweite Fehler: Du änderst den Auftrag mitten in der Arbeit, weil eine Gruppe ihn anders verstanden hat. Dann arbeiten ab sofort alle an etwas Neuem, und die Hälfte hört die Änderung nicht. Hol in diesem Fall alle kurz zusammen, ergänze das Chart und sag den neuen Teil einmal.
Wogegen es hilft
Überforderung, Resignation, Sinnlosigkeit. Ein unklarer Auftrag erzeugt keine produktive Anstrengung, sondern Überforderung bei denen, die raten müssen, und Sinnlosigkeit bei denen, die nach zwanzig Minuten merken, dass sie am Falschen gearbeitet haben. Wer das zweimal erlebt, gibt beim dritten Auftrag gar nicht erst Gas, und das ist Resignation.
Fachbeiträge und Methoden zu den Werkzeugen. Alle zwei Wochen, kein Verkauf.
Vorgelesen von Clara Blum. Der Text stammt von Michael Kobbeloer.
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